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Berliner Senatsverwaltung will WALL Toiletten streichen

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt plant derzeit die Streichung der barrierefreien und öffentlichen WALL Toiletten, da diese angeblich zu wenig genutzt würden. Gegen diese Entscheidung aktiv geworden ist ein breites Bündnis aus Bezirksbürgermeister_innen, Behindertenbeauftragten, Berliner Behindertenverband  und auch der Spontanzusammenschluß – Mobilität für Behinderte („Spontis“). Die Selbstorganisation von Menschen mit Behinderung bringt genügend Argumente FÜR den Erhalt der Toiletten und für den Betreiber Fa. WALL:

  • Wall-WC´s sind inklusiv: Behinderte und Nichtbehinderte können sie gleichermaßen nutzen.
  • Wir behinderten Menschen berieten Ende der 90iger Jahre die Ingenieure der Fa. Wall in sehr guter, partnerschaftlicher Zusammenarbeit, wie ein WC für Alle beschaffen sein muss. Es gibtnichts Besseres! Das Ergebnis dieser konstruktiven Zusammenarbeit darf nicht vernichtet werden!
  • Die neue misslungene Bauordnung Berlins sieht keine Bauabnahme mehr vor, Restaurants müssen keine barrierefreien WC´s vorhalten! (Es fällt nur uns auf, wenn keins gebaut wurde!) –
  • Umso wichtiger werden die öffentlichen barrierefreien WC`s!
  • Wall-Toiletten sind rund um die Uhr nutzbar.
  • Sie sind immer sauber, da selbstreinigend.
  • Mütter nehmen ihre Kinderwagen mit hinein, gehbehinderte Menschen ihre Rollatoren…
    Ehe ein neuer Betreiber öffentlicher Toiletten diesen Standard leisten kann, werden Jahre
    -vergehen! Wieder fangen wir bei Adam und Eva an! – Das müssen wir verhindern! Gerade jetzt vor den Wahlen hat jede/r von uns die Möglichkeit zu intervenieren!

Folgendes Schreiben haben „die Spontis“ am 01.09.2016 an die Vertreter_innen der Parteien geschickt:

„Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir, die Mitglieder des Spontanzusammenschluß Mobilität für Behinderte möchten Ihnen folgendes zur Kenntnis bringen, das für alle Menschen in dieser Stadt wichtig ist.

Die Verwaltung für Stadtentwicklung will die Anzahl der öffentlichen Toiletten um 120 Toiletten verringern. Zum Anlass hat die Verwaltung das Auslaufen der Verträge mit der Firma Wall zum Ende 2017 genommen.

Die Verwaltung für Stadtentwicklung ließ bei den Bezirken nachfragen, wie oft diese Toiletten benutzt werden. Ihrer Meinung nach werden sie zu wenig benutzt. Deshalb plädieren sie dafür, dass mindestens 120 Toiletten geschlossen werden. Wir haben erfahren, dass diese Toiletten drei Mio. mal im Jahr benutzt werden, davon frequentierten ein Drittel der Menschen mit Behinderungen diese Toiletten. Die meisten Toiletten sollen -nach dem Willen der Verwaltung- in den Außenbezirken Berlins abgebaut werden. 

Die Bezirksbürgermeister sind alle gegen diesen Plan der Verwaltung für Stadtentwicklung.

Allen Menschen, denen ich von diesem Vorhaben berichtet habe, haben dies für unsinnig erklärt. Im Gegenteil, es waren alle der Meinung, dass es sogar noch mehr öffentliche Toiletten geben müsste.

Wie Sie sich vielleicht noch erinnern, haben wir Menschen mit Behinderungen und die Fa. Wall diese Toiletten entworfen. Diese Toiletten sind ein absolutes Hightech Erzeugnis. Nach jedem Toilettengang reinigt sich die Toilette selbst. Für die Nutzer bedeutet dies, dass diese Toiletten nie so verschmutzt sind, wie andere, die von Menschen angeblich gewartet werden. Weil sie ein absolutes Hightech Erzeugnis ist, müssen sie durch besonders geschulte Personen gewartet werden. Viele Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn ein Großteil dieser Toiletten geschlossen würde.

Für alle Menschen, die etwas mehr Platz beim Toilettengang benötigen, gibt es dann wieder Probleme: Menschen im Elektrorollstuhl kämen nicht hinein, Mütter müssten den Kinderwagen vor der Tür lassen und alle, die einen Rollator benötigen müssten diesen auch vor der Tür lassen usw..

Durch die Reklamewände, die die Fa. Wall aufstellen darf, tragen sich die Toiletten selbst. Diese Toiletten kosten die Stadt kein Geld.

Wir Menschen mit Behinderungen insbesondere Elektrorollstuhlfahrer_innen sind dringend auf öffentliche Toiletten angewiesen. Besonders an Feiertagen gibt es nicht genug Toiletten, die wir benutzen können.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis.“