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Rückblick Selbsthilfe-Festival 2014

Das erste Berliner Selbsthilfe-Festival am 21.06. war ein Erfolg. Ca. 1200 Besucher kamen trotz unbeständiger Wetterlage auf das Tempelhofer Feld, um die vielen Facetten des Selbsthilfeengagements kennenzulernen. Das von Selko e.V. (mit SEKIS), der Landesstelle Berlin für Suchtfragen e.V. und der Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e.V. gemeinsam organisierte Festival sollte als „Kulturfestival“ das Selbsthilfeengagement einmal in einer anderen Form präsentieren. Nicht die Organisationen, sondern die Selbsthilfegruppen standen im Mittelpunkt. Kernstück waren Gastgebertische, an denen rund 40 Gruppen der gesundheitsbezogenen Selbsthilfe von A (Anonyme Alkoholkrankenhilfe Berlin e.V., AKB) bis Z (Selbsthilfegruppe Zöliakie) ihre Aktivitäten darstellten und bei Kaffee und Kuchen zu Gesprächen wie Mitmachaktionen einluden. Auf der Hauptbühne gab es, dargestellt durch Gruppen aus der Selbsthilfe, ein buntes Programm aus Theater, Tanz und Musik sowie eine Modenschau. Zwei Zelte schafften Kultur-Räume für Ausstellungen und Lesungen, weitere Mitmachaktionen wie der Drum Circle, Einradfahren, ein Rauschbrillenparcours und eine Bewegungsbaustelle waren auf dem Rasen zu erleben. Für die kleinen Besucher sorgte u.a. das Puppentheater Stoffwechsel für Unterhaltung. Wie Selbsthilfe in Berlin wirkt und bewegt, konnte man mit diesem Festival eindrucksvoll und vielfältig erleben. Es wurde in der Gesamtschau über das Festival-Areal auch deutlich, dass Selbsthilfe eben sehr viel mehr sein kann als das gemeinsame Gespräch von Betroffenen für Betroffene oder das zur Verfügung stellen von Informationsmaterial. Ausgehend von der „Keimzelle“ Selbsthilfegruppe hat sich hier eine Kultur der Begegnung, Einbeziehung und Aktivierung entwickelt, die sich mit diesem Festival aus den geschützten Räumen herauswagte und einer breiten Öffentlichkeit selbstbewusst präsentierte. Die Selbsthilfe hat sich mit diesem Fest aber nicht zum Selbstzweck inszeniert, sondern vor allem „zum Anfassen“ als Begegnung auf Augenhöhe eingeladen. Dieses niedrigschwellige Angebot wurde von den Besuchern gut angenommen. Ein wesentlicher Faktor dabei war die durch das Veranstaltungsformat intendierte – und in der Umsetzung gelungene – entspannte Festival-Atmosphäre, die dazu beitrug, Barrieren und Berührungsängste bei den Gästen zu verringern.

Die inhaltlichen Rückmeldungen von Gästen, Gruppen und an der Organisation Beteiligten verliefen größtenteils positiv. Auch wenn wetterbedingt der Anteil an Laufkundschaft aus dem Tempelhofer Feld und den angrenzenden Quartieren vielleicht nicht ganz so hoch ausfiel wie erhofft, berichteten die Gruppen von vielen neuen Interessenten, die bisher keinen Kontakt zur Selbsthilfe hatten und sich gezielt für das Festival auf das Tempelhofer Feld begeben hatten. Das Bühnenprogramm und die Kreativzelte fanden regen Zuspruch, der Elan der Darsteller und Künstler sprang erfolgreich auf die Zuschauer über. Auch die Mitmachaktionen trugen dazu bei, dass die Besucher hier einen erlebnisreichen und bereichernden Nachmittag erleben konnten, der seinen Abschluss in einer Tombola fand. Viele Gruppenmitglieder und Vertreter von Selbsthilfeorganisationen nutzten die Gelegenheit, mit anderen Gruppen ins Gespräch zu kommen und sich z.B. über andere Krankheitsbilder zu informieren. Intern führte diese Zusammenarbeit der großen Selbsthilfe-Akteure ebenfalls zu positiven Effekten – wir haben uns durch die gemeinsame Organisation dieses Festes besser kennen und schätzen gelernt und diese Bündelung der Kräfte (bei allen unvermeidbaren Reibungen) als positiv erlebt. Von daher fassen wir optimistisch eine Wiederholung der Festival-Idee in 2015 ins Auge.

Gerlinde Bendzuck
1. Vorsitzende der LV Selbsthilfe Berlin e.V.

Eindrücke vom Festival
(Fotos: Maren Schulz)

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